Joseph: Treue bringt Segnen

Joseph war ein Träumer – und seine Träume wurden wahr. In einem Leben voller Extreme, verlor er nie sein Vertrauen in Gott. Die Geschichte Josephs spricht von Aufopferung, von jemandem, der von Gott vorausgeschickt wurde, um Leben zu erhalten und diejenigen zu retten, die ihm nachfolgen sollten.

von Jerold Aust


Joseph machte viele ungewöhnliche Erfahrungen, um es milde auszudrücken. Ein normales Leben unter gewöhnlichen Menschen ist bestimmt einfacher und wohl auch angenehmer, als sich ständig auf unbekannten Wegen in den Kampf für das Gute zu begeben. Doch Joseph, auch schon als junger Mann, blieb moralisch stark und gab nicht auf, wenn die um ihn herum zügellos und sündig waren.

Natürlich wird ein junger Mensch, der nach Gerechtigkeit strebt, sofort die Früchte seines guten Lebens ernten. Oder werden etwa auch die Gerechten von Gott geprüft? Kann es sein, dass manchmal alles schief geht, wenn man es am wenigsten erwartet?

 

Joseph und seine Träume

Josephs Mutter hieß Rahel. Sie war die große Liebe seines Vaters Jakob. Jakob musste sieben Jahre lang arbeiten, bevor er Rahel zur Frau nehmen durfte, und doch schien es ihm nur wie „ein paar Tage”.

Später sollten Joseph und seine Brüder die Gründungsväter der 12 Stämme Israels werden. Doch Joseph, der elfte der zwölf Brüder, wurde zum Liebling seines Vaters. Eifersucht und Rivalitäten zwischen den Brüdern machten Joseph bald gehörige Schwierigkeiten.

Mit siebzehn Jahren war Joseph ganz klar der Lieblingssohn seines Vaters. In 1. Mose 37 lesen wir, dass Jakob seinen Sohn sehr lieb hatte, mehr als alle seine anderen Kinder. Als Zeichen seiner Zuneigung schenkte er Joseph einen besonders schönen und wertvollen Mantel.

Dieses Geschenk gefiel Josephs Brüdern überhaupt nicht. Sie wussten, dass er der Liebling ihres Vaters war und der Mantel erinnerte sie nun jedes Mal daran. Nach und nach begannen sie, ihn zu hassen. Durch seine Naivität und Jugend trug Joseph zu ihrer Eifersucht sogar noch bei.

Gott kennt das Ende vor dem Anfang (Jesaja 46,10). Er inspirierte Joseph dazu, zwei Träume mit ähnlicher Bedeutung zu haben. Als Joseph seinen Brüdern von seinem ersten Traum erzählte, machte er sie nur noch wütender. „Höret doch diesen Traum, den ich gehabt habe“, sagte Joseph. „Siehe, wir banden Garben mitten auf dem Feld, und siehe, meine Garbe richtete sich auf und blieb auch aufrecht stehen; und siehe, eure Garben stellten sich ringsum auf und verneigten sich vor meiner Garbe” (1. Mose 37,6-7).

Seine Brüder verstanden sehr gut, was es bedeutete, dass ihre Garben sich vor seiner Garbe verbeugten: „Willst du etwa König über uns werden, willst du gar über uns herrschen?“, fragten sie skeptisch.

Sein zweiter Traum schloss nicht nur seine Brüder, sondern auch seine Eltern mit ein: „Und siehe, die Sonne und der Mond und elf Sterne beugten sich vor mir nieder“ (Vers 9). Als Joseph seinem Vater und seinen Brüdern davon erzählte, wies sein Vater Jakob ihn zurecht: „Was ist das für ein Traum, den du gehabt hast? Sollen wir etwa kommen, ich und deine Mutter und deine Brüder, um uns vor dir zur Erde niederzubeugen?“

Sehen wir uns nun an, wie Josephs Leben seine erste dramatische Wende nahm.

 

Wo Eifersucht hinführt

Eines Tages wurde Joseph von seinem Vater losgeschickt, um nach seinen Brüdern und deren Schafherden zu sehen. Als er sich seinen Brüdern näherte, sahen sie ihn schon von ferne. Schnell stecken sie ihre Köpfe zusammen und machten einen Plan: „Siehe, da kommt dieser Träumer! So kommt nun und lasst uns ihn erschlagen und ihn in eine der Zisternen werfen, und wir wollen sagen: Ein böses Tier hat ihn gefressen! Dann werden wir sehen, was aus seinen Träumen wird“ (1. Mose 37,19-20).

Doch Ruben, Josephs ältester Bruder, wollte ihn nicht töten: „Vergießt nicht Blut, werft ihn in diese Zisterne, die in der Wüste ist, aber legt nicht Hand an ihn!“ (Verse 21-22).

Als Joseph sie erreichte, war er geschockt, als sie ihm seinen Mantel auszogen und ihn in die Zisterne warfen (Verse 23-24).

Bald darauf zog eine Karawane mit Händlern vorbei und Juda, einer der älteren Brüder, sah darin einen Weg, Josephs Leben zu schonen: „Kommt, lasst uns ihn an die Ismaeliten verkaufen; aber unsere Hand sei nicht an ihm, denn unser Bruder, unser Fleisch ist er!“ (Vers 27). So wurde Joseph von seinen Brüdern für 20 Silberstücke verkauft.

Um ihren Vater Jakob zu täuschen, töteten sie eine Ziege und schmierten etwas von dem Blut auf Josephs schönen Mantel. Dann sandten sie das Kleidungsstück nach Hause zu ihrem Vater. Als Jakob den Mantel sah, erkannte er ihn sofort. Vor lauter Schmerzen zerriss er seine Kleidung und trauerte viele Tage über seinen Lieblingssohn. Auch ließ er sich von niemandem trösten: „In Trauer werde ich zu meinem Sohn in das Totenreich hinabfahren“ (Vers 35). Doch keiner der Söhne wagte es, ihrem trauernden Vater die Wahrheit zu sagen.

 

Segen und Unheil

Manchmal entpuppt sich eine Katastrophe als ein versteckter Segen, vor allem, wenn Gott dahinter steckt (Römer 8,28). Gott vertrauen zu lernen, ist eine der größten Lektionen, die wir lernen können.

Nachdem die Karawane Ägypten erreicht hatte, verkauften die Sklavenhändler Joseph an Potifar, einen hochrangigen Untergebenen des Pharao (1. Mose 39,1). Nun begannen die Dinge besser auszusehen:

„Der HERR aber war mit Joseph, und er war ein Mann, dem alles gelang; und er blieb im Haus seines ägyptischen Herrn. Als nun sein Herr sah, dass der HERR mit ihm war und dass der HERR alles, was er tat, in seiner Hand gelingen ließ, da fand Joseph Gunst in seinen Augen, und er bediente ihn persönlich. Und er bestellte ihn über sein Haus, und alles, was er besaß, gab er in seine Hand“ (1. Mose 39,2-4).

Zu dieser Zeit nahm Josephs Leben eine unerwartete Wendung. Die Bibel berichtet: „Joseph aber war schön von Gestalt und schön von Aussehen“ (Vers 6). Er sah so gut aus, dass er sogar die Aufmerksamkeit der Frau seines Meisters auf sich zog.

„Schlaf mit mir!“, sagte sie zu ihm (Vers 7). Doch Joseph wollte davon nichts wissen: „Wie sollte ich dieses große Unrecht tun und gegen Gott sündigen?“ (Vers 9).

Doch sie ließ nicht locker. Tag für Tag versuchte sie Joseph zu verführen, doch er blieb standhaft und wies sie zurück. Dann eines Tages betrat Joseph das Haus, ohne zu ahnen, dass noch niemand dort war. Da packte in Potifars Frau am Gewand und forderte „Schlaf mit mir!“, doch Joseph schlüpfte aus seinem Gewand und floh aus dem Haus (Verse 10-13).

Die Bibel ermahnt uns: „Flieht die Unzucht!“ (1. Korinther 6, 18). Dies tat Joseph und gleichzeitig gab er ein phantastisches Beispiel dafür, derartigem Druck nicht nachzugeben.

Um selbst nicht in Schwierigkeiten zu kommen, beschuldigte Potifars Frau nun Joseph, sich an ihr vergreifen zu wollen. Als Beweismittel hatte sie ja sein Gewand bei sich. Joseph wurde kurzerhand ins Gefängnis geworfen (1. Mose 39,14-20).

Nun sah es ganz schön schlecht aus für unseren jungen Helden. Dennoch gab Joseph seinen Gehorsam gegenüber Gott nicht auf. Erst hatten ihn seine eigenen Brüder in die Sklaverei verkauft und jetzt wurde er schon wieder seiner Freiheit beraubt. Er hatte Gott gehorcht, und trotzdem saß er im Gefängnis. Doch Gott verlässt niemanden, der auf ihn vertraut!

„Der HERR aber war mit Joseph und wandte sich ihm in Treue zu und gab ihm Gunst in den Augen des Obersten des Gefängnisses. Und der Oberste des Gefängnisses übergab alle Gefangenen, die im Gefängnis waren, der Hand Josephs; und alles, was man dort tat, das veranlasste er. Der Oberste des Gefängnisses sah nicht nach dem Geringsten, das unter seiner Hand war, weil der HERR mit ihm war; und was er tat, ließ der HERR gelingen“ (Verse 21-23).

Es ist leicht zu sehen, dass es nie lange dauerte, bis Joseph wieder in Schwierigkeiten steckte. Doch wir müssen auch feststellen, dass es nie lange dauerte, bis er wieder gesegnet wurde. Es ging nahezu direkt, nachdem er ins Gefängnis musste, wieder bergauf.

 

Der Mundschenk und der Bäcker

Der Pharao war wütend über zwei seiner Diener, einen Mundschenk und einen Bäcker, und ließ sie ins Gefängnis werfen. Während sie dort waren, hatten beide einen Traum, der sie sehr besorgte. Ihre Traurigkeit fiel Joseph auf und so sprach er mit ihnen. Sie berichteten ihm von ihren Träumen und klagten, dass es niemanden gab, der ihnen sagen konnte, was sie bedeuten.

Joseph sagte ihnen: „Sind die Deutungen nicht Gottes Sache? Erzählt mir doch!“ (1. Mose 40,8).

Der Mundschenk begann zu erzählen und Joseph erkannte die Bedeutung des Traumes. Der Mann würde in nur drei Tagen wieder in seine ursprüngliche Position eingesetzt werden.

Der Bäcker hoffte auf ähnlich gute Nachrichten und berichtete ebenfalls von seinem Traum. Doch ihm sagte Joseph, dass er in drei Tagen hingerichtet werden würde (Vers 19).

Joseph bat den Mundschenk, doch ein gutes Wort für ihn beim Pharao einzulegen, so dass er von seiner ungerechten Gefangenschaft erlöst würde. Doch schon bald hatte der Mundschenk Joseph vergessen (Vers 23), und Jakobs Sohn verbrachte weitere zwei Jahre im Gefängnis (1. Mose 41,1). Gott jedoch hatte seinen gerechten Knecht noch nicht vergessen.

Manchmal lösen sich unsere Probleme nicht genau so, wie und wann wir es uns wünschen. Wenn wir enttäuscht werden, hilft es sehr, Vertrauen und Geduld zu haben!

 

Pharaos Träume

Auch Pharao hatte zwei Träume. Der erste handelte von sieben fetten und sieben mageren Kühen. Die mageren Kühe fraßen die fetten Kühe auf (1. Mose 41,1-4).

In seinem zweiten Traum sah der Pharao sieben schöne und fette Ähren. Dann sah er sieben dürre Ähren, und die sieben dürren Ähren verschlangen die sieben fetten (Verse 5-7).

Den Pharao erschreckten seine Träume, doch keiner seiner ganzen Wahrsager und weisen Männer konnte sie ihm deuten. Da erinnerte sich der Mundschenk an sein Erlebnis mit Joseph im Gefängnis und er erzählte es seinem Herrn. Auf der Stelle ließ der Pharao Joseph aus dem Gefängnis holen und erzählte ihm, was er geträumt hatte. Joseph erklärte ihm, dass nur Gott, und nicht ein Mensch, die wahre Bedeutung der Träume offenbaren könne. Dann berichtete er, was Gott ihm eingegeben hatte: Ägypten würde sieben Jahre lang phantastische Ernten erleben, dann jedoch würde sieben Jahre lang eine schlimme Hungersnot herrschen.

Joseph empfahl dem Pharao, sich gut vorzubereiten: „Und nun sehe der Pharao nach einem verständigen und weisen Mann und setze ihn über das Land Ägypten … Und sie sollen alle Nahrungsmittel dieser kommenden guten Jahre einsammeln und unter der Obhut des Pharao Getreide aufspeichern als Nahrungsmittel in den Städten und es dort aufbewahren. So soll die Nahrung zum Vorrat für das Land dienen für die sieben Jahre der Hungersnot, die im Land Ägypten sein werden, damit das Land durch die Hungersnot nicht zugrunde geht“ (Verse 33-36).

Pharao sah, wie vernünftig Josephs Rat war. Er brauchte nicht lange um zu entscheiden, wer dieser weise Mann sein sollte, der ganz Ägypten retten würde: Joseph selbst. „Werden wir einen finden wie diesen, einen Mann, in dem der Geist Gottes ist?“ (Vers 38).

So wurde Joseph an nur einem Tag vom Gefangenen zum zweitwichtigsten Mann in ganz Ägypten!

 

Joseph der Verwalter

Joseph machte eine lange Reise durch Ägypten, um sich einen Überblick über das Land und seine Ressourcen zu verschaffen. Genau wie Gott es offenbart hatte, gab es zuerst sieben gute Jahre. Die Ernten waren so ertragreich, dass man aufhörte, die Menge des geernteten Getreides zu verzeichnen, so viel war es.

Während dieser Zeit wurden Joseph und Asenat, seiner Ägyptischen Frau, zwei Söhne geboren. Seinen Erstgeborenen nannte Joseph Manasse; das bedeutet „vergessen lassen“, und er sagte: „Denn Gott hat mich vergessen lassen all meine Mühe und das ganze Haus meines Vaters.“ Seinen zweiten Sohn nannte er Ephraim, „Ich werde fruchtbar sein“, „Denn Gott hat mich fruchtbar gemacht im Land meines Elends“ (Verse 51-52).

Nach den sieben fetten Jahren kam eine schwere Hungersnot über das Land. Dank Josephs Vorsorge gab es in Ägypten ausreichend Nahrung. Selbst als es in den umliegenden Ländern überhaupt nichts mehr zu essen gab, hatte Ägypten immer noch genügend Reserven, um Korn zu verkaufen. „Und alle Welt kam nach Ägypten zu Joseph, um Getreide zu kaufen; denn die Hungersnot war stark auf der ganzen Erde.“

Und wieder einmal nahm Josephs Leben eine unerwartete Wendung.

 

Joseph der Versöhner

Durch all dies Auf und Ab hatte Gott Joseph und seine Familie nicht vergessen. Ganz im Gegenteil, er hatte Großes mit ihnen vor (1. Mose 28, 10-15).

Als die Hungersnot sich verschlimmerte, sandte Jakob seine Söhne nach Ägypten, um dort Getreide zu kaufen. So kamen sie vor den Verwalter, der für den gesamten Verkauf verantwortlich war. Natürlich wussten sie nicht, dass genau dieser wichtige Mann ihr eigener Bruder Joseph war, den sie vor vielen Jahren in die Sklaverei verkauft hatten. „Als nun die Brüder Josephs kamen, beugten sie sich vor ihm nieder, mit dem Gesicht zur Erde“ (1. Mose 41,6). So ging Josephs Traum, den er als Junge gehabt hatte, in Erfüllung. Doch noch waren er und seine Brüder nicht versöhnt.

Am Anfang machte er es nicht leicht für seine Brüder. Er beschuldigte sie, Spione aus einem fremden Land zu sein. Dann nutze er eine List und lies sie versprechen, beim nächsten Mal seinen jüngsten Bruder Benjamin mitzubringen (Vers 15). Seine Brüder begannen schon zu überlegen, ob die ganzen Schwierigkeiten, in denen sie steckten, Gottes Strafe für das wäre, was sie Joseph angetan hatten.

Wie sie so redeten, sprachen sie auf Hebräisch miteinander. Da Joseph wie ein Ägypter gekleidet war, erkannten sie ihn nicht und sie dachten, er verstünde auch ihre Sprache nicht. Als Joseph ihre Angst und Sorge sah, ertrug er es nicht „und er wandte sich von ihnen ab und weinte“ (Vers 24).

Joseph gab seinen Brüdern das Getreide das sie brauchten und ließ sie ziehen. Neun Brüder kehrten nach Hause zurück, Simeon mussten sie in Ägypten lassen, als Garantie, dass sie auch ja mit Benjamin zurückkehren würden. Und als nach einiger Zeit das Korn aufgebraucht war, mussten sie wieder einmal nach Ägypten ziehen. (1. Mose 43,1-2).

Es war Juda, der seinen Vater Jakob darum bat, ihnen doch Benjamin mitzugeben. Nur widerstrebend gab Jakob nach, denn er wollte nicht auch noch seinen jüngsten Sohn verlieren. Doch er sah ein, dass es der einzige Weg war, Simeon zurückzugewinnen und mehr Getreide zu kaufen.

Und wieder standen die Brüder vor Joseph. Als sie ihm Benjamin zeigten, war er von seinen Gefühlen überwältigt und er zog sich für einen Moment in seine privaten Räume zurück, um sich zu beruhigen (1. Mose 43,29-31).

Josephs Plan verdichtete sich, als er seinen Brüdern so viel Nahrung mit auf den Weg gab, wie sie nur tragen konnten. Doch dieses Mal beauftragte er einen seiner Diener, seinen eigenen silbernen Becher oben in Benjamins Sack zu legen (1. Mose 44,2). Nachdem sie losgezogen waren, schickte Joseph ihnen seinen Diener hinterher, um ihre Säcke zu durchsuchen.

Die Brüder erschraken fürchterlich, als Josephs silberner Becher oben in Benjamins Sack gefunden wurde! Gemeinsam kehrten sie zu Joseph zurück und baten um ihr Leben (Verse 14-34). Sie erklärten ihm, dass ihr alter Vater ganz bestimmt sterben würde, wenn sie ohne Benjamin zurück kämen.

Nun wusste Joseph ganz sicher, dass seine Brüder sich wirklich geändert hatten. Sie hatten ihre Lektion gelernt.

Joseph konnte sein Geheimnis einfach nicht länger wahren.

Er befahl allen Dienern, den Raum zu verlassen und begann offen zu weinen. „Ich bin Joseph. Lebt mein Vater noch?“, sagte er (1. Mose 45,3). Seine erstaunten und verängstigten Brüder wussten nicht, wie sie reagieren sollten. Schließlich waren sie immer noch in Ägypten und Joseph hätte sie bestrafen können, wie auch immer es ihm gefiel.

 

Vorausgeschickt von Gott

Joseph beruhigte und tröstete sie: „Da sagte Joseph zu seinen Brüdern: Tretet doch zu mir heran! Und sie traten heran. Und er sagte: Ich bin Joseph, euer Bruder, den ihr nach Ägypten verkauft habt. Und nun seid nicht bekümmert, und werdet nicht zornig auf euch selbst, dass ihr mich hierher verkauft habt! Denn zur Erhaltung des Lebens hat Gott mich vor
euch her gesandt.

Denn schon zwei Jahre ist die Hungersnot im Land, und es dauert noch fünf Jahre, dass es kein Pflügen und Ernten gibt. Doch Gott hat mich vor euch her gesandt, um euch einen Überrest zu setzen auf Erden und euch am Leben zu erhalten für eine große Errettung. Und nun, nicht ihr habt mich hierher gesandt, sondern Gott; und er hat mich zum Vater des Pharao gemacht und zum Herrn seines ganzen Hauses und zum Herrscher über das ganze Land Ägypten“ (1. Mose 45,4-8).

Es war Gott, der durch Joseph den Frieden zwischen seinen Brüdern und seinem Vater wieder herstellte. Auch war es Gott, der sie sicher durch die schlimme Hungersnot brachte. Gott benutze Joseph, um viele Tausend Ägypter und noch viel mehr Menschen aus den umliegenden Ländern, vor dem Hunger zu erretten (1. Mose 41,56-57).

 

Joseph bringt alles wieder in Ordnung

Nachdem er sich mit seinen Brüdern versöhnt hatte, wandte Joseph seine Aufmerksamkeit seinem Vater Jakob zu: „Eilt und zieht hinauf zu meinem Vater, und sagt zu ihm: ‚So spricht dein Sohn Joseph: Gott hat mich zum Herrn von ganz Ägypten gemacht.

Komm zu mir herab, zögere nicht! Du sollst im Land Goschen wohnen und nahe bei mir sein, du und deine Söhne und die Söhne deiner Söhne, deine Schafe und deine Rinder und alles, was du hast. Und ich will dich dort versorgen – denn noch fünf Jahre dauert die Hungersnot -, dass du nicht verarmst, du und dein Haus und alles, was du hast‘“ (1. Mose 45,9-11).

Also zogen Josephs Brüder wieder nach Hause. Als sie ihren Vater erreichten, hatten sie unglaubliche Nachrichten für ihn: „Joseph lebt noch, ja, er ist Herrscher über das ganze Land Ägypten“ (Vers 26). Jakob war überwältigt!

Jakob und seine ganze Familie packten ihre Besitztümer und machten sich auf den langen Weg nach Ägypten. Unterwegs opferte Jakob seinem Gott.

Nachts erschien Gott Jakob in einer Vision und sagte ihm, dass er sich nicht zu fürchten brauche, nach Ägypten zu gehen. Es war Gottes Plan und er würde sie dort zu einem großen Volk werden lassen (1. Mose 46,2-4). In Ägypten begrüßte der Pharao persönlich Jakobs Familie. Außerdem bot er ihnen an, im besten Teil des Landes Goschen zu leben (1. Mose 47,1-6). Dort ließen sie sich nieder.

Gott hat Joseph benutzt, um Jakobs Familie wieder mit sich zu versöhnen. So führte Gott seinen Plan für die Kinder Abrahams weiter aus. Dieser Plan hatte mit Abraham begonnen und wurde durch seinen Sohn Isaak und nun auch durch seinen Enkel Jakob fortgeführt. Jakobs Name wurde von Gott in Israel umbenannt und aus den Familien der zwölf Söhne Jakobs wurden die zwölf Stämme des Volkes Israel. So wurde Jakob zum Stammvater des ganzen Volkes Israel.

Gott hatte Israel versprochen, aus ihm ein großes Volk zu machen – und so geschah es. Seine Kinder vermehrten sich prächtig und wurden zu einem eigenen Volk im Lande Ägypten (2. Mose 1,1-7).

Was bleibt noch zu sagen über unseren Helden Joseph? Vielleicht, dass sein Leben vieles mit jemandem gemeinsam hatte, der nach ihm kommen sollte, jemanden noch viel größer als er selbst.

 

Joseph und Jesus

Josephs Erfahrungen weisen viele Ähnlichkeiten mit Jesus Christus, unserem Erlöser, auf. Wie Jesus (Johannes 8,42-47) wurde Joseph dafür verfolgt, weil er für das Richtige einstand. Wie Jesus war Joseph zum Tode bestimmt, als seine eigenen Brüden beratschlagten ihn zu töten. Wie Jesus (Hesekiel 37,15-28) versöhnte Joseph Menschen miteinander und bemühte sich um das Gute. Und wie Jesus (Jesaia 11,1-5; Amos 9,11-15) war Joseph ein geschickter und weiser Verwalter.

Ähnlich wie Joseph, wurde Jesus vorausgeschickt, um Menschen zu retten – genau genommen die gesamte Menschheit: „Denn Christus ist, als wir noch kraftlos waren, zur bestimmten Zeit für Gottlose gestorben…als wir noch Sünder waren“ (Römer 5,6-8).

Jesus erfüllt in perfekter Weise die Rolle Josephs, als jemand, der alles wieder in Ordnung bringt und als jemand, der vorausgeschickt wurde, um „Leben zu erhalten“.