Was würde Jesus tun? Lektionen in Sachen Freundschaft

Was können wir von der einen Person lernen, die als einzige jemals ein perfektes Leben gelebt hat? Wie ging diese Person mit ihren Freunden um?

von Kristin Yarbrough


Welche Worte würdest du wählen, wenn dich jemand darum bitten würde, Jesus Christus zu beschreiben? „Sohn Gottes”? „Retter“? „Ohne Sünde“?

Wie wäre es mit dem Wort “Freund”?

Vielleicht ist dir „Freund“ nicht sofort in den Kopf gekommen, aber Jesus hatte Freunde und war ein Freund, als er auf Erden lebte. In Lukas 12,4 und Johannes 15,13-15 beschreibt er seine Gefährten als Freunde.

Da Jesus uns als perfektes Vorbild dient, ist es uns gegeben, von ihm zu lernen, wie wir unsere Freundschaften stärken und richtig führen können. Lasst uns doch zum Beispiel einen Blick auf seine Beziehung zu Lazarus werfen, den er in Johannes 11,11 einen Freund nennt. Zudem wollen wir auf Martha und Maria, die Schwestern des Lazarus, schauen, die Jesus so wie ihren eigenen Bruder liebten (Johannes 11,5).

 

Freunde halten zusammen

Jesus besuchte Maria, Martha und Lazarus mehrere Male. Lukas 10,38-42 spricht von einem solchen Besuch, die Kapitel 11 und 12 im Johannesevangelium berichten von zwei anderen Treffen. Wie Johannes 12 aufzeigt, kam Jesus sechs Tage vor dem Passah in ihr Haus nach Bethanien. Das war eine kleine Weile nach Lazarus’ Auferweckung von den Toten (Johannes 11).

Bethanien lag in etwa drei Kilometer von Jerusalem entfernt, war aber relativ weit weg von Jesu Heimat in Galiläa. Die Reise von dort nach Bethanien war kein einfacher Weg und musste zu Fuß zurückgelegt werden. Sein Besuch war folglich nicht das Resultat eines Einfalls, den Jesus zufällig hatte – er kam nicht „einfach so“ vorbei. Stattdessen war es eine Mühe, die Reise auf sich zu nehmen; insbesondere nachdem Jesus in der Gegend schon Verfolgungen ausgesetzt gewesen war (Johannes 11,8).

Gemäß Debra Oswald und Eddie Clark (die das Buch Personal Relationships geschrieben haben), ist der „Zusammenhalt“ eine von vier grundlegenden Verhaltensweisen, die Freunde an den Tag legen müssen, um Freunde bleiben zu können. Dazu haben sie 249 Studenten des ersten Semesters befragt, die in der St-Louis Universität studierten. Diejenigen, die sich mit ihren Freunden vom Abitur während des Semesters weiterhin trafen, waren am Ende des Semesters mit diesen immer noch Freunde. Diejenigen aber, die ihre alten Freunde während dieser Zeit gar nicht zu Gesicht bekamen, verloren in den meisten Fällen ihre alten Freundschaften aus der Schule.

In Jesu Zeit gab es nur wenige Möglichkeiten, die Kommunikation aufrechtzuerhalten und auf diese Weise auch dann zusammenzuhalten, wenn man nicht in der Nähe wohnte. Entweder man schrieb Briefe, ließ den anderen grüßen oder besuchte ihn persönlich. Andere Möglichkeiten, Freundschaften zu erhalten, gab es keine. Heutzutage hingegen haben wir die Qual der Wahl: Telefonate, Emails, SMS, Instant Messaging, Twitter-Berichte und Webcam Unterhaltungen stehen uns neben den „alten“ Kommunikationsmöglichkeiten wie Briefen oder persönlichen Besuchen zur Verfügung.

Experten stimmen desweiteren darin überein, dass Kommunikation und gemeinsame Aktivitäten nicht unbedingt mit körperlicher Anwesenheit einhergehen müssen. Zu Beginn ihrer Untersuchungen dachten Oswald und Clark, dass die rein räumliche Nähe zum Anderen ein wichtiger Faktor für eine freundschaftliche Beziehung ist. Sie waren überrascht, als sie herausfanden, dass dem nicht so sein muss. Insofern eine gute Kommunikation zwischen den Freunden herrschte, spielte die Entfernung keine Rolle. Wenn du also am Laubhüttenfest einen Freund oder eine Freundin gefunden hast und er oder sie in den USA lebt, dann ist das kein Grund, die Freundschaft an den Nagel zu hängen.

 

Freunde können voneinander lernen

Während eines Besuchs von Jesus bei Martha kamen auch andere Menschen, um ihn sprechen zu hören. In Lukas 10,40-42 sehen wir, dass Martha damit beschäftigt war, die Gäste zu bedienen, während Maria unter den Leuten saß und zuhörte. Von Marias Verhalten frustriert, bat Martha Jesus, ihr zu sagen, dass sie doch auch einmal mit anpacken sollte. Stattdessen jedoch erklärte Jesus, dass Maria ihre Prioritäten richtig gesetzt und sich korrekt dafür entschieden hat, Jesu Lehren zuzuhören.

Wir können nicht alle Marthas Vorzug genießen, den Menschen Jesus als einen engen Freund zu haben – den einzigen enschen, der nie sündigte oder Irrtümern erlegen war. Dennoch können wir von unseren Freunden lernen! Es ist hilfreich, die Meinungen von Freunden zu schätzen, aber ebenso wichtig ist es, kritisch darüber nachzudenken.

Ein wohlbekannter Vers aus dem Buch der Sprüche sagt uns, dass genauso wie Eisen auch Eisen schärft, wir uns am Besten aneinander schärfen (Sprüche 27,17). Durch die Herausforderungen, denen wir in Freundschaften begegnen, lernen wir wichtige Lektionen, die wir ohne den oder die Anderen vielleicht nie gelernt hätten. In Vers 9 desselben Kapitels vergleicht der Autor den guten Rat eines Freundes mit einem angenehmen, wohlriechenden Duft.

Und selbst wenn du zu der Einsicht kommen solltest, dass dein Freund im Unrecht ist, könnt ihr immer noch Freunde bleiben. Die Bibel gibt uns keine Auskunft darüber, ob Martha über Jesu Antwort erzürnt war oder sie bereit war, sofort einzusehen. Was wir aber wissen, ist, dass sie Freunde blieben, da wir sie in Johannes 11 und 12 als solche sehen können.

 

Freunde unterstützen einander in Zeiten der Not

Nachdem Lazarus gestorben war, machte es Jesus zu seiner Priorität, für dessen Schwestern Maria und Martha da zu sein. Als Jesus die Kunde davon vernahm, dass Lazarus gestorben war, ging er nicht sofort hin, um ihn durch ein großartiges Wunder zum Leben zu erwecken, sondern er ging erst eine Weile später, zur rechten Zeit sozusagen, um Maria und Martha zu trösten und Lazarus erst dann aufzuerwecken.

Realistisch betrachtet, hätte Jesus die Schwestern von Lazarus nicht treffen müssen; er hätte einfach nur Lazarus zurück ins Leben bringen und nach Hause gehen können. Oder er hätte das Wunder aus der Ferne wirken können. Stattdessen machte Jesus sich auf den Weg, um mit den Schwestern persönlich zu sprechen und sie auf diese Weise in einer Zeit großer Not und Trauer zu unterstützen sowie zu trösten.

Gemäß der Studie von Oswald und Clark (Personal Relationships) ist die Bereitschaft zur Unterstützung eine weitere grundlegende Verhaltensweise, die es Freunden erlaubt, ihre Beziehungen erfolgreich zu führen. Sie kamen zu dem Schluss, dass diejenigen, die emotionelle Unterstützung erfahren haben, die Freundschaft mit der anderen Person als wertvoller einschätzten und bereit waren, mehr in die Beziehung zu investieren.

Römer 12,15 trägt wahren Christen auf, mit den Weinenden zu weinen. In Johannes 11,33-35 gab uns Jesus sich selbst zum Vorbild. Dieser Abschnitt aus seinem Leben zeigt, dass Jesus von dem Weinen Marias über den Tod ihres Bruders so sehr bewegt war, dass er selbst weinen musste. Andere nahmen an, dass er über den Tod des Lazarus weinte. Dabei hatte Jesus gar keinen Grund darüber zu weinen, da er bereits wusste, dass Lazarus sterben würde und dass er ihn in nur wenigen Minuten wieder ins Leben zurückbringen würde. Jesus war stattdessen sehr berührt von den Sorgen und Schmerzen seiner Freunde und derjenigen, die um Lazarus trauerten.

Gott sieht es gerne, wenn wir unsere Freunde in der richtigen, demütigen Art und Weise unterstützen. Tatsächlich finden wir in 2. Korinther 1,3-4 die beruhigenden Worte, dass Gott uns tröstet, damit wir andere trösten und anderen helfen können. Wenn wir diesen Grundsatz befolgen, kann das Resultat nur eine bessere Beziehung zu unseren Freunden und unserem Schöpfer sein.

Maria, Martha und Lazarus hatten die einzigartige Gelegenheit, zu der Zeit Freunde von Jesus zu sein, als er auf Erden weilte. Dennoch können auch wir heute noch seine Freunde sein. In Johannes 15,14 erfahren wir wie: Indem wir das tun, was er von uns erwartet. Es ist offensichtlich, dass Jesus sich eine persönliche und freundschaftliche Beziehung mit uns wünscht. Er gab sein Leben für uns – und das lange, bevor wir überhaupt geboren wurden (Johannes 15,13). Er hat bereits den ersten und größten Schritt in unsere Richtung getan. Nun liegt es an uns, auf ihn zuzugehen.

 

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