Bereitschaft zum Betrug

Jeder tut es, also scheint es kein Problem zu sein, in der Schule zu schummeln, oder?

Du hast in deinen Kursen gute Arbeit geleistet und eine solide Punktzahl erreicht. Um deine zunehmenden Rechnungen bezahlen zu können, arbeitest du neben dem Studium und nimmst außerdem noch an außerschulischen Aktivitäten teil, welche sich gut auf deinem Lebenslauf machen. Infolgedessen fühlst du dich überfordert und überarbeitet.

Du studierst Ingenieurwissenschaft, also scheint dein Literaturkurs nicht so wichtig zu sein. Um dich bestens auf die die Abschlussprüfung vorbereiten zu können, möchtest du deine Lernzeit für deine schwierigeren Kurse verkürzen. Du findest heraus, dass ein Vorabdruck der Abschlussklausur im Literaturkurs bei einem Freund eines Freundes zum Verkauf steht. Das tut ja niemandem weh, also macht es doch sicherlich nichts, wenn du eine Kopie kaufst und ein wenig Zeit sparst. Du hast doch nichts zu verlieren. Oder  vielleicht doch?

 

Viel zu verlieren

Im Jahre 2005 schummelte ein Student an der Berkeley-Universität in Kalifornien in einem Kurs, welcher nicht zum Hauptstudium gehörte, und fand heraus, dass er viel zu verlieren hatte. Seine eigenen Worte: „Ich dachte, ich bräuchte einen kleinen Vorteil, um durch die Abschlussprüfung zu kommen und den Kurs mit einer guten Note abzuschließen, und glaubte, ich würde damit durchkommen …

Stattdessen gingen meine Pläne nach hinten los. Nachdem ich erwischt und damit konfrontiert wurde (was in der Verantwortung meines Dozenten lag), wurde ich auf (akademische) Bewährung gesetzt und musste diesen Aufsatz schreiben. In gewisser Hinsicht bin ich glücklich, da meine Bewährung enden wird, vorausgesetzt ich bleibe unbescholten und erbringe ehrliche akademische Leistungen.

Ich schäme mich allerdings auch, da ich mich unehrlich verhalten habe und meinen Dozenten und der Verwaltung den Eindruck gegeben habe, unmoralisch zu sein. Ich habe auch meiner akademischen Leistung geschadet und muss mich anstrengen, um mich und meine Ehrlichkeit als Student zu rehabilitieren“ („The Causes and Consequences of Cheating“, The Daily Californian, 6. Mai 2005).

Weiterhin erklärte der Student, dass  Universitäten Betrug streng begegnen: Die Strafen bewegen sich zwischen einer 5 (nicht bestanden) und der Exmatrikulation, wodurch eine akademische oder sogar professionelle Karriere entweder verzögert oder ruiniert wird.

Die Bibel weist uns wiederholt an, komplette Ehrlichkeit beizubehalten und unehrlichen Gewinn zu vermeiden. Ein weiteres Prinzip, an welches man sich erinnern sollte, ist, dass ein guter Ruf sehr wertvoll ist und beschützt werden sollte. Wie es in Sprüche 22, Vers 1 heißt: „Ein guter Name ist wertvoller als großer Reichtum, und Anmut ist besser als Silber und Gold.“

Prediger 10, Vers 1 verbildlicht die Übertretung dieses Prinzips: „Tote Fliegen verderben gute Salben. Ein wenig Torheit wiegt schwerer als Weisheit und Ehre.“

Sobald unser Ruf mit etwas assoziiert wird, was schlecht riecht, muss man sich sehr anstrengen, um diesen Gestank loszuwerden. Ich habe vor ein paar Jahren gelernt, dass man den Gestank von dem Sekret eines Stinktiers nur äußerst schwer wieder loswird. Schummeln kommt dem Spielen mit einem verängstigten Stinktier gleich: Man stellt seinen guten Ruf in die Schusslinie.

 

Konsequenzen verschwinden nicht immer

Man könnte denken, dass eine unbesonnene Tat während der Hochschulzeit irgendwann einfach verschwindet. Ein Artikel in einer Studentenzeitung der Universität in Oregon zeigt jedoch auf, dass obwohl Aufzeichnungen über das Verhalten der Studenten normalerweise unzugänglich sind, man eine Sonderfreigabe für eine Hintergrundüberprüfung unterschreiben muss, wenn man sich für ein Studienprogramm für höhere Fachsemester oder für die American Bar Association bewirbt, was eine Überprüfung der Aufzeichnung über das Verhalten des Studenten bzw. der Studentin miteinschließt.

Weiterhin heißt es in dem Artikel, dass sogar Betrug, bei dem man nicht erwischt wurde, negative Konsequenzen hat. Wenn jemand betrügt, dann verringert er  den Wert des Aufwands, den er in seine Ausbildung gesteckt hat, da er ja nicht wirklich etwas gelernt hat. Weiterhin wirkt es sich auf die ganze Universität aus und verschlechtert die Chancen der anderen Studenten auf dem Arbeitsmarkt, da es sich herumsprechen kann, dass Absolventen dieser Bildungsinstitution nicht das Wissen und die Fähigkeiten haben, die sie eigentlich haben sollten.

Laut einer Umfrage, welche vom Josephson Institut für Ethik im Dezember 2008 durchgeführt wurde, ist Schummeln in den USA weit verbreitet.

Das Hauptaugenmerk der Umfrage lag auf den Kategorien „lügen“, „stehlen“ und „betrügen“. Die Umfrage wurde an 100 zufällig ausgesuchten Hochschulen durchgeführt. Das Ergebnis: 64% der Studenten gaben an, bei mindestens einem Test letztes Jahr geschummelt zu haben. Mehr als die Hälfte von den 64% (insgesamt 38%) sagten, dass sie letztes Jahr zweimal oder öfter geschummelt hätten (Chelsea Keenan, „Survey Reveals Prevalence of Cheating Among High School Students“, The Independent Florida Alligator, 2. Dezember 2008).

Die Samen werden früh gesät

Schummeln fängt jedoch normalerweise nicht erst in der Highschool oder an der Universität an. Walter Perez, Grundschullehrer und Verwalter in Tyler, Texas, konstatiert: „Ich habe beobachtet, dass oft schon im jungen Alter geschummelt wird, indem die älteren Geschwister oder die Eltern die Aufgaben für den Grundschüler machen. Mir wurde gesagt, dass diejenigen, die die Wirtschaft der USA in den Sand gefahren haben, zwei Dinge gemeinsam hätten: Zum einen seien sie alle gierig, zum anderen wären sie alle im Kindergarten gewesen. Egal auf welcher Wirtschaftshochschule sie waren, irgendwo auf ihrem Weg kamen sie zu der Überzeugung, dass Schummeln in Ordnung sei.“

Damit wollte er Folgendes sagen: Womit man in der Grundschule anfängt, das behält man auch ein ganzes Leben lang bei. Dem stimmt Linda Behar-Horenstein, eine Professorin an der Universität in Florida aus dem „College of Education’s Department of Educational Administration and Policy“ zu. Sie sagte: „Wenn man in der Highschool rege schummelt, wird man damit an der Universität nicht aufhören. Es handelt sich um ein ethisches und moralisches Dilemma.“

Schummelt man in Prüfungen, ist es nur ein kleiner Schritt zum Betrügen im Lebenslauf – auch in der akademischen Welt. In der Onlineausgabe des The Tech von dem Institut für Technik in Massachusetts wurde am 4. Mai 2007 eine Geschichte über eine ehemalige Dekanin der MIT Admission [Zulassung zum Massachusetts Institute of Technology] veröffentlicht, welche zugab, bei ihren angegebenen Studienleistungen gelogen zu haben („Marilyn Jones Did Receive Degree“).

Das MIT bat Jones, ihr Amt niederzulegen, da sie unehrlicherweise drei Abschlüsse angab, welche sie überhaupt nicht hatte. Offensichtlich war sie auf eine kleinere und unbekanntere Universität gegangen und wollte diese bei ihrer Bewerbung im Jahre 1979 für einen Job im MIT nicht angeben.

In seinem 2004 veröffentlichten Buch The Cheating Culture: Why More Americans Are Doing Wrong to Get Ahead schreibt David Callahan, dass die Menschen damit anfangen, ihre Betrügerei zu entschuldigen, indem sie sagen, dass es jeder andere ja auch tue. Er beschreibt eine Gesellschaft, die in vielen Lagen betrügt: In der Schule, bei der Arbeit, in Amateur- und professionellem Sport, bei den Steuern, in den Medien und im medizinischen Bereich.

Er beschreibt Anwälte, die betrügen, um auf die besten Schulen zu kommen und später mehr Stunden angeben, um im Wettbewerb mit den Kommilitonen nicht zu verlieren. Er sagt, dass die Menschen in einer Wettbewerbsgesellschaft, in welcher reichen Betrügern nur ein Schlag auf die Hand gegeben wird, wenn sie denn nur die Einnahmen ihrer Firma gesteigert haben, zum Betrügen ermutigt werden.

 

In einer unehrlichen Welt zurechtkommen

Wie kommt man mit den Sorgen zurecht, in einer betrügerischen Welt nie Karriere machen zu können? Das war der Ruf eines berühmten Poeten vor Tausenden von Jahren. In Psalm 73, Vers 3 schrieb Asaph: „Denn ich ereiferte mich wegen der Übermütigen, wenn ich sah, dass es den Gottlosen so wohl ging.“ Er beschrieb, dass sie das scheinbar „gute Leben“ lebten, während er sich abmühte, und gab zu, dass es für ihn solange sehr schmerzlich gewesen sei, bis er seine Gedanken auf Gott und das Langfristige lenkte.

In Vers 17 schrieb er: „Ich (…) merkte auf ihr Ende.“ Er wies darauf hin, dass Gott die Gottlosen „aufs Schlüpfrige setzt“ und dass sie „plötzlich zunichte werden“ (Vers 18), während diejenigen, die auf Gott vertrauen und ihm treu sind, von ihm geleitet und später mit Ehre angenommen werden.

Heutzutage scheinen viele zu denken, dass Ehrlichkeit und Anstand kleine und unwichtige Dinge sind. Für Gott sind sie jedoch wichtig. Jesus sagte: „Wer im Geringsten treu ist, der ist auch im Großen treu; und wer im Geringsten unrecht ist, der ist auch im Großen unrecht“ (Lukas 16,10).

Wie in so vielen anderen Bereichen des Lebens, läuft es auf das hinaus, was du wertschätzt. Ist es dir wichtiger, in dieser befristeten physischen Existenz in kurzer Zeit Karriere zu machen, oder aber den dauerhaften Reichtum des ewigen Lebens zu erlangen? Der Apostel Paulus stellte dies dar, indem er das, was wir aufwenden sollen, um eine ewige Belohnung zu erhalten, mit den Anstrengungen eines Athleten verglich, welche dieser auf sich nimmt, um einen Kranz zu gewinnen (1. Korinther 9,24-25).

Betrachte die Dinge aus einer höheren und aufs Langfristige ausgerichteten Perspektive. Lass dich nicht von einer Kultur mitreißen, welche schneller und kurzfristiger Befriedigung nachjagt. Widerstehe dem Drang, Abkürzungen zu nehmen, um einen schnellen, aber falschen Vorteil im Leben zu erlangen – sei es bei den Hausaufgaben oder in irgendeinem anderen Lebensbereich. Arbeite daran, in den kleinsten Lebensbereichen ehrlich und getreu zu sein, und Gott wird jetzt für dich sorgen und deine Ehrlichkeit und deinen Anstand mit ewigem Segen belohnen.

 

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